|
|
|||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||
> zurück Essen, Schlafen, Waschen, Toilette –
|
||||||||||||||||||||||||
![]() |
Die Toilettenecke lässt
sich mit einem Zieharmonika-Vorhang vom Rest des Middecks abgrenzen,
so daß man
während der in der Schwerelosigkeit zeitaufwendigen Prozedur ganz
für sich allein ist. Über der eigentlichen Toilette sind verschiedene
Fächer angebracht, wo man alle, auch die zum Waschen notwendigen
Utensilien vorfindet: Also Frotteetücher, Papiertücher, aber
auch ein Nassabfallsack - und schließlich die wichtigen,
kleinen Plastiktrichter. Jeder Astronaut hat hier für das kleinere
Geschäft
seinen Trichter mit seiner persönlichen Kennungsfarbe verstaut.
Die exakt kreisrunden Trichter für die Herren und die mehr
ovalen für die Damen haben die Größe von großen
Schnapsgläsern
mit einen Bajonettverschluß am unteren Ende. Als erstes steckt
man den Trichter auf das Ende eines langen flexiblen Schlauches und
legt dann
einen kleiner Schalter um, der den Unterdruckmotor hochlaufen l äßt. |
Dies ist die kritischste Phase überhaupt. Jeder Astronaut im Middeck kennt den hochlaufenden Ton nur allzu genau. Auch wenn er so tut als arbeite er unbeeindruckt weiter, so hört doch jeder sehr genau hin, ob der Motor auch wirklich seine Enddrehzahl erreicht. Wenn nicht - und das ist schon öfter vorgekommen - gibt es Probleme! Wenn das Wechselventil auf "Schlauch" steht, dann saugt der Motor nun viel Luft durch den Schlauch. Alles weitere, denke ich, kann ich der Phantasie des Lesers überlassen. Vielleicht sollte ich nur hinzufügen, daß die Gleichberechtigung im Weltraum so weit verwirklich ist, daß Männlein wie Weiblein dabei stehen können. Doch Vorsicht! Wer keinen sicheren Halt hat, driftet dabei durch die Gegend!
Die größeren Geschäfte verlangen mehr Zeit und Aufwand. Auch hier lässt man zunächst den Unterdruckmotor hochlaufen - hört dabei wieder genau hin - und stellt das Wechselventil auf "Toilette". Nach entsprechender Vorbereitung schwebt man dann rücklings auf den ausladenden, traktorähnlichen Sitz. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist hier, mehr als sonst, ein fester Sitz das A und O. Dazu zieht man die beiden neben dem Sitz angebrachten beigen Bügel nach oben und dreht sie über die Oberschenkel. Die Bügel sind federnd gelagert und drücken so die Oberschenkel und damit den eigenen Körper fest auf den Sitz. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich noch die beiden Füße unten festschnallen.
Nach diesen längeren Vorbereitungen - soviel Zeit muss man sich schon nehmen, auch wenns pressiert - kann es endlich losgehen. Der Unterdruck hat inzwischen Teile der Luft aus dem großen, kugelrunden Hohlraum unter dem Sitz ausgepumpt. Mit dem Hochziehen des großen Hebels, rechts neben dem Sitz wird zunächst ein Druckausgleich zwischen dem Hohlraum und dem Außenraum geschaffen, was mit einem lauten Zischen vor sich geht. Danach legt man den Hebel nach vorn. Mit dieser Bewegung öffnet sich ein etwa Handteller großer Schacht in der Mitte des Sitzes und es entsteht ein Luftstrom. Jedoch nicht direkt von oben - da sitzt man nämlich - sondern seitlich von unter dem Sitz gelangt der Luftstrom in den Bereich des Schachtes, reißt alles was sich dort auch befinden mag mit sich und führt es in den Hohlraum, wo der Strom in Richtung der Wände fließt und alles fein säuberlich verteilt. So wird der Hohlraum, mal langsam, mal schneller, von außen nach innen gefüllt.
Das mag sich alles problemlos anhören, ist es aber nicht. Im Hohlraum wird nämlich nicht alles gleichmäßig verteilt, sondern durch den eintretenden Abstrom türmt sich das meiste von unten nach oben auf. Da hilft nur nachhelfen. Es ist Aufgabe des Bordingenieurs in gewissen Abständen nachzusehen und mit einem langen Schaft zu verteilen. Ein anderes Problem ist der Schacht, genaugenommen der Schachtdurchmesser. Er muß so gewählt sein, daß er nicht zu groß ist, sonst ist der Luftzug zu gering und alles bleibt bereits im Schacht stecken, und andererseits nicht zu klein, sonst trifft man nicht. Um dem Bordingenieur das Leben zu erleichtern, hat die NASA den Durchmesser relativ klein gewählt und dafür den Astronauten eine Trainingstoilette für Zielübungen in Houston spendiert.
Nach diesem kleinen Ausflug in die weltraum-technische Lösung ganz natürlicher menschlicher Bedürfnisse zurück ins Shuttle. Da der Kaffee und das Rührei noch nicht warm sind, kann ich nach dem Händewaschen gleich die Morgenwäsche anschließen. Direkt gegenüber der Toilette, an der Seitenwand der Küche, hängt an einem Schlauch die Spritzpistole für Wasser. Ich hole mir ein neues Handtuch und die Tube mit Flüssigseife, feuchte das Handtuch mit der Pistole an und reibe etwas Seife hinein. Damit wische ich mir den gesamten Körper ab, bis ich mich wieder frisch fühle. Das gebrauchte Handtuch stecke ich an jeder Ecke in Halter auf der Innenseite der Toilettentür, so daß das Tuch neben all den andern leicht aufgespannt ist und trocknen kann. Dafür hole ich mir noch ein neues Tuch und trockne damit den Körper wieder gründlich ab. Das war's! Das Haarewasche geht fast genauso: Wasser in die Haare spritzen, Shampoo darauf, durchmassieren, mit einem trockenen Handtuch wieder ausreiben, frisches Wasser auf die Haare, wieder abreiben ... bis die Haare sauber und trocken sind.
Als letztes die Zähne putzen und rasieren. Also, Zahncreme auf die Zahnbürste und wie gewohnt bürsten. Und wohin damit? Da gibt es zwei Methoden. Die einen schlucken einfach hinunter (es ist alles nur eine Sache der Gewohnheit) oder man spuckt in das bereits feuchte Handtuch. Für das Rasieren gibt es ausschließlich Trockenrasierer an Bord. Jeder Astronaut hat seinen eigenen und der reicht ohne Auspusten - was man tunlichst unterlassen sollte - spielend für einen Shuttleflug.
Das Frühstück ist fertig. Ich hole Kaffee und Rührei aus dem Ofen, nehme meine Schere aus dem Besteckbeutel, den jeder stets bei sich führt, und schneide die Abdeckfolie des Schälchens kreuzweise auf, wodurch Laschen entstehen, die das Rührei bei vorsichtiger Handhabung weiterhin im Schälchen halten. Mit der Gabel fahre ich unter die Laschen, steche das Rührei auf und kann es so zusammen mit dem Kaffee, den ich über einen Plastikstrohhalm aussauge, genießen. Der Yoghurt zum Abschluß befindet sich in einer kleinen Aluminiumdose, die man einfach aufreißt und danach den Yoghurt mit einem Löffel ißt. Wie das geht? Alles was feucht ist klebt auch. Wenn man also mit dem Löffel in die Dose hineinfährt, liegt der Yoghurt nicht auf dem Löffel, sondern er hängt. Man muß nur entsprechend vorsichtig sein. Genauso kann man übrigens auch Suppen essen! Man fährt mit dem Löffel unter die Laschen des Schälchens und alles was am Löffel hängen bleibt - und da macht es keinen Unterschied ob in der Löffelmulde oder unter dem Löffel - kann in den Mund geschoben werden. Aber Achtung, den Löffel nicht schnell bewegen!
![]() |
Genau genommen sollten die Astronauten zum Essen ein Tablett benutzen, so wie es in der Abbildung meine Astronauten-Kollegin Rhea Seddon während ihrer Mission STS-51D, im April 1985 tut. Das Tablett enthält Aussparungen für die diversen Verpackungen und einem Magnethalter für das Besteck. Aber das ist zu unpraktisch - es gibt besseres: Weil auch die Vorderseite der Hose der Astronauten mit Klettverschlußstreifen benäht ist, kann man sich das ganze Frühstück dort anheften, schwebt auf das Flugdeck in einen der beiden Pilotensitze, heftet das Essen an die Panels und genießt beim Blick auf die Erde! Wie man sieht, macht das Essen im Weltraum keine Probleme. Im Gegenteil, es macht sogar Spaß, weil man die Speisen und die Flüssigkeit nicht immer zum Mund führen muss, |
sondern zunächst vor sich herschweben lassen kann, bis man ausreichend animiert ist, sich dem Genuß hinzugeben. Aber Achtung! Das geht nur im Middeck. Auf den Pilotensitzen ist das strengstens untersagt. Findet der Commander Spaghettisoße irgendwo auf den Panels dann gibt es dort Essverbot für den Rest des Fluges!
Eine Besonderheit des Weltraums und zugleich ein auffallendes Problem ist
die spätere Entlüftung. Hier auf der Erde sucht sich wegen der Schwerkraft
die mit dem Essen und vor allem Trinken hinuntergeschluckte Luft immer
den Weg nach oben. In der Schwerelosigkeit kann sich die Luft im Magen
nicht vom
Essen trennen, und damit bleibt der Luft eigentlich nur noch der Weg zum
anderen Ausgang. Das funktioniert sehr gut, und weil sich dem keiner entziehen
kann,
ist es auch gemeinhin akzeptiert!
| > IMPRESSUM © 2004 LRT | TUM Last Updated: 1/07/05 DESIGN: WWW.NEXUS-GROUP.DE |